Perchtengeschichten

Zusammen mit Herrn Rainer Eglseder (Mitglied Perschtenbund-Soj Kirchseeon) arbeite ich an einem Kinderbuch über die Perchten. Die Texte wurden von Herrn Eglseder verfasst und von mir illustriert. Hier eine kleine Leseprobe:

 

Der erste Perchtenlauf – Seppi wartet auf die Perchten

 

Im Oktober macht sich beim Seppi schon ein leichtes Kribbeln im Bauch breit. Der Herbst ist gekommen und der Winter nicht mehr weit. Denn, wenn der erste Schnee fällt, werden die Perchten im Ort bald wieder um die Häuser ziehen. Beim Perchtenlauf führen die unter prächtigen Masken und besonderen Gewändern verborgenen Burschen und Mädchen vor jedem Haus und Gehöft ihre Lieder, Tänze und Sprüche auf. Die Perchten stärken das Gute und treten in den langen dunklen Nächten dem Bösen entgegen. Dabei überbringen sie für Mensch und Tier Gesundheit, Glück und Segen. Mit ihren Stampfern wecken sie die Natur wieder auf und bringen zur Wintersonnenwende wieder das Licht. Ein überlieferter Spruch besagt: „So hoch, wie der Percht springt, so hoch wird im nächsten Jahr das Getreide wachsen.“

 

Heuer wollte der Seppi ganz mutig sein und keine Angst mehr vor den Perchten haben. Denn bisher hat er sich immer entweder hinter dem Papa oder dem großen Holzstoss beim Stall versteckt, wenn die Perchten im Hof mit ihren brennenden Fackeln erschienen. Einen großen Respekt hatte der Seppi von der Maske „Habergoaß“, die von den Kindern auch das Krokodil genannt wurde. Er beobachtete immer wieder die älteren Nachbarskinder, wie sie der „Habergoaß“ etwas Geld in das Maul warfen. Seine größte Angst war, dass ausgerechnet bei ihm das riesige Maul zuschnappt, wenn er seine Hand mit dem Geld in den weit geöffneten Schlund hineinstecken würde.

Um dem unangenehmen Gefühl etwas entgegen zu wirken, hörte sich Seppi gerne, nachdem er seine Hausaufgaben erledigt hatte, eine CD mit Liedern und Sprüchen der Perchten an. Die Texte konnte der gescheite Bub mittlerweile schon auswendig.

 

 

In der Schule waren die Perchten von den Schülern ein lang erwartetes Thema. Ein besonderer Moment im Schulunterricht war, als der Oberpercht des örtlichen Perchtenvereins in die Klasse kam und im Heimatkundeunterricht ausführlich die Hintergründe zum Perchtenbrauchtum erklärte. Außerdem las er einige spannende und schaurige Rauhnachtsgeschichten wie „D’ wuide Jagd“ und „Die Perchtnacht“ vor. Der Höhepunkt war, das der Oberpercht auch Masken und Gewänder dabei hatte. Seppi, in diesem Moment ein mutiger Bub, traute sich als erster den Oberpercht zu fragen, ob er denn eine Maske aufsetzen dürfe. „Natürlich“, sagte der Oberpercht und schon hatte Seppi die „Luz-Maske“ auf seinem Kopf. „Diese Maske sei eine sehr alte und wichtige Maske“, erklärte der Oberpercht. „Sie ist ziemlich schwer und ich kann kaum aus den kleinen Augen heraus schauen“, erläuterte der Seppi angestrengt seinen Mitschülern. Er war sehr stolz, dass er der erste war, der sich die Maske über den Kopf zog. Die Mitschüler waren über den Mut von Seppi sehr erstaunt und wollten natürlich auch die Maske aufsetzen. Nachdem sich der Oberpercht verabschiedete, wurde unter den Klassenkameraden schon gewetteifert, wer als Erster von den Perchten mit kaltem Schnee eingerieben wird oder vor den wilden Gesellen das Weite sucht.

 

 

Jetzt wurde es ernst. Die Mama von Seppi hatte ihm erzählt, dass die Perchten bereits in zwei Tagen bei ihnen zuhause vorbeikommen werden. Voller Spannung und mit dem gehörigen Respekt, wartete er mit seinen Eltern und den älteren Geschwistern auf die wilde Schar. Er hatte jetzt keine Angst mehr, da er den Oberpercht kannte und die „Luz-Maske“ bereits auf seinem Kopf hatte. So streckte er mutig der „Habergoaß“ seine Hand entgegen und ließ die Geldstücke vorsichtig in den Rachen fallen. Nachdem er die Hand wieder unbeschadet aus dem Zähne bleckenden Maul herausgezogen hatte, legte sich ein befreites Lächeln auf sein Gesicht und es schien, als ob seine Ängste wie weggewischt waren. So konnte er den diesjährigen Perchtenlauf richtig genießen und nahm sich vor, wenn er groß ist, auch einmal ein Perchtenläufer zu werden.

 

Gerne kann ich Ihnen noch weitere Perchtengeschichten zur Verfügung stellen. Wenn Sie interessiert sind die "Kindergeschichten über die Perchten" mit Herrn Eglseder und mir gemeinsam in Buchform zu veröffentlichen, dann schreiben Sie mir einfach unter info@monirodesign.de oder nutzen mein Kontaktformular. Wir sind natürlich auch bereit die Geschichte entsprechend anzupassen.

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© Monika Rothenaicher